Muss Shampoo sein? Trend Low Poo und No Poo

Jetzt hat sie also auch uns erreicht: Die Low Poo bzw No Poo Methode. Und nein, hier geht es nicht um Stuhlgang, wie sicher viele von euch zuerst mal denken mögen. Wer sich mit Natürlichkeit in allen Bereichen beschäftigt, kommt automatisch irgendwann auch auf das Thema Körperpflege. Haare waschen gehört für viele täglich dazu. Mit Shampoo – mit Inhaltsstoffen, die man oft nicht kennt geschweige denn aussprechen kann.
In diesem Artikel erfährst du: 
  • warum du auch mal auf Shampoo verzichten kannst
  • wie du dein Haar ohne Chemie pflegst
  • welche Tipps wir aus unseren Selbstexperimenten weitergeben können
no poo methode

Haarpflege ohne Chemie mit der No Poo Methode

Wie nötig sind Shampoo, Seife & Co

Ich stand vor vielen Jahren schon vor meinem Badezimmerschrank und hab durchgezählt: wie viele Produkte benutze ich eigentlich jeden Tag? Ist das wirklich alles nötig? Tagescreme, Nachtcreme, Augencreme, verschiedenste Make-up Artikel, Make-up Entferner, Handseife, Duschgel, Rasiercreme, Shampoo, Conditioner, Haarspray… Dazu kamen noch die Chemikalien mit denen wir uns im Haushalt umgaben wie Spülmittel, Waschmittel und Putzmittel. Nach und nach wurde bei uns zuhause alles mit natürlichen, oft selbstgemachten Alternativen ersetzt, oder verschwand einfach ganz ohne groß vermisst zu werden. Alle unsere Naturkosmetik Experimente kannst du natürlich auch nachmachen.

Komplett verabschiedet haben wir uns von sämtlichen Cremes, an deren Stelle wir jetzt ab und zu Avocadoöl verwenden. Ebenfalls wurden alle Seifen verbannt. Ganz ehrlich: wie dreckig werden wir in unserem Alltag eigentlich noch? Nico und ich sind schließlich keine Bauarbeiter. Normales Wasser reicht meistens und falls nicht benutzen wir reine Olivenölseife. Ich kann definitiv von mir berichten dass sich meine Haut daran gewöhnt hat, weniger eingecremt zu werden. Inzwischen bleibt die natürliche Fettschicht meiner Haut einfach erhalten (natürlich auch, da ich kaum noch Seife verwende), so dass ich selten mit Avocadoöl nachhelfen muss.

Shampoo hielt sich allerdings noch lange in unserem Bad. Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen: Ohne Shampoo würden die Haare doch sicher komplett fettig und ekelhaft werden? Andererseits: Wenn man weder Cremes, noch Seifen braucht – warum dann Shampoo? Anfang des Jahres hab ich mich dann zu einem Experiment durchgerungen: Zusammen mit Anja hab ich ein viertel Jahr auf Shampoo verzichtet. Denn so konnten wir uns wenigstens austauschen und zusammen ungewaschene Haare haben :-)

So stellst du auf die No-Poo Methode um

Eigentlich gibt es keinen großen Trick bei der No-Poo Methode. Du hörst einfach auf Shampoo zu benutzen. Trotzdem gibt es verschiedene Ansätze:
  • gar nicht mehr waschen
  • nur noch mit Wasser waschen
  • mit Wasser waschen und ab und zu mit einer Natronlauge und etwas Apfelessig spülen

Ich hab mich für die „nur Wasser“ Methode entschieden. Und auch hier gibt es einen Unterschied ob man kaltes oder warmes Wasser verwendet. Anfangs dachte ich, dass warmes Wasser wahrscheinlich besser reinigt, war dann aber überrascht, dass kaltes Wasser etwas besser war. Die Haare waren danach leichter kämmbar. Wenn man es sich so überlegt macht es auch Sinn: warme Duschen stehen den Menschen ohnehin noch nicht lange zur Verfügung. An kaltes Wasser sind wir wohl besser gewöhnt…

Die gefürchtete Übergangsphase

Für alle Mutigen unter euch, die die No-Poo Methode auch ausprobieren möchten, ich bin ehrlich zu euch: die ersten Wochen waren hart. Weniger weil mein Haar fettig aussah (es hat in all den Monaten niemand bemerkt dass ich meine Haare nicht mehr wasche), sondern weil das Kopfgefühl ein anderes wird. Die Kopfhaut war es ja gewöhnt, regelmäßig „entfettet“ zu werden und hatte sich mit einer erhöhten Talgproduktion darauf eingestellt. Es dauerte einige Wochen, bis sich das reguliert hatte und die Kopfhaut mit einer reduzierten Talgproduktion regierte. In dieser Zeit fühlten sich meine Haare an, als wäre Gel in ihnen. Etwas fester, dicker und griffiger. Nach 3 Wochen kam bei mir der Wendepunkt. Hier wollte ich unbedingt nur noch eines: Haare waschen für ein frisches und leichtes Kopfgefühl. Meine Haare kamen mir schwer vor und auch etwas strohig. Nach diesem „Tiefpunkt“ ging es allerdings auch wieder bergauf – mit der Zeit gewöhnte ich mich an das neue Gefühl und empfand die Haare als kräftiger.

Sowohl Anja als auch ich haben das Gefühl dass unsere Übergangsphase im Vergleich zu vielen anderen Bloggern bei denen wir uns vorher eingelesen hatten, relativ gut erträglich war. Für uns macht es Sinn: Je natürlicher man sich ernährt, umso einfacher wird die Übergangsphase für die Haare. So wie auch die Haut von einer guten Ernährung profitiert, werden auch Kopfhaut und Haare „von innen“ gepflegt – und weniger Schadstoffe müssen ausgeschieden werden. Wir mussten beide unsere Haare in der Übergangsphase nicht unter Hüten und Haarbändern versteckten. Kein Mensch bemerkte den Unterschied. Wenn du die No-Poo Methode ausprobieren möchtest, dann stell dich auf eine Übergangsphase ein, die 3-6 Wochen dauern kann.

Außerdem haben wir bemerkt, dass Fett- und Talgproduktion zyklusabhängig sein können. Also nicht verzweifeln, wenn die Umstellung in „Wellen“ erfolgt.

Ein Trick für die Übergangsphase, den wir allerdings beide nicht probiert haben, ist eine Art selbstgemachtes Trockenshampoo: Hierzu Stärke (Kartoffelstärke, Maisstärke…) in die Haare und auf die Kopfhaut massieren und dann ausbürsten. Falls ihr Erfahrungen damit gemacht habt, berichtet doch in den Kommentaren davon!

Bürsten, Bürsten, Bürsten

Ich habe lange glatte Haare, die leider recht fein sind und an den Enden zu Spliss neigen (nerv). Für mich war vor allem in den ersten Wochen der Umstellung ausgiebiges Bürsten absolut kriegsentscheidend. Ich benutze eine Wildschweinborstenbürste und habe ein regelrechtes „Bürstritual“ in meinen Alltag eingeführt:
  1. über den Kopf von hinten nach vorne bürsten,
  2. von jeder Seite über den Kopf auf die andere Seite bürsten
  3. über den Kopf von vorne nach hinten bürsten.

Damit lande ich bestimmt bei 100 Bürstenstrichen pro Tag. Warum ist Bürsten so wichtig? Es löst den Talg von der Kopfhaut und verteilt ihn auf die Länge des Haares. Klingt jetzt nicht so besonders toll, ist aber praktisch: Auf der Kopfhaut verstopfen die Poren nicht und die Haare werden durch den verteilten Talg geschützt und gepflegt.

Die Bürste muss allerdings gepflegt werden, meiner Erfahrung nach „vertalgt“ sie sonst. Ich wasche sie inzwischen alle 2-3 Tage mit etwas Seife (ja genau, an mich selber lass ich keine Seife ran, aber an die Bürste ;-)). Danach rubbel ich sie mit einem Kamm ordentlich durch.

Unterschiedliche Haare, unterschiedliche Bedürfnisse

Während ich mich für die „nur Wasser“ Methode entschieden habe, hat Anja mit Natron und Apfelessig experimentiert. Ihr Fazit dazu war jedoch weniger überschwänglich. Natron trocknet die Kopfhaut aus und Apfelessig riecht in den Haaren. Da Anja kurze Haare hat, hat sie sie morgens befeuchtet um sie wieder in Form zu bringen.

Wir haben auf jeden Fall gelernt, dass die Haarpflege je nach Haartyp und Haarlänge sehr unterschiedlich ausfallen kann. Als wir auf Facebook nach euren Erfahrungen gefragt haben erhielten wir zum Beispiel diesen Kommentar:

„Ich hab Probleme mit der ganzen Bürsterei dabei. Das macht mir die Locken kaputt . Ich kämme lieber sehr wenig und nur mit groben Holzkamm. Aber das verteilt das Fett nicht. Ich denke ich versuche wenigstens Heilerde als Shampoo zu nehmen und selbstgemachten Kombucha Essig als Spülung. Nur Wasser scheint nix für mich. Bei meinen Kindern ( glatte Haare) funktioniert es viel besser.“

Außerdem kommt es darauf an, wie sehr deine Haare strapaziert werden. Anja, die regelmäßig schwimmen geht, fand heraus dass Chlorwasser weniger gut für die Haare ist. Der Chlor Geruch bleibt auch ein/zwei Tage etwas haften.

Haarpflege ist also eine sehr individuelle Geschichte.

Gibt es auch eine Zwischenlösung?

Du willst deine Haare natürlicher pflegen und auf Chemie weitestgehend verzichten? Trotzdem ist dir der Gedanke gar kein Shampoo mehr zu verwenden noch zu fern? Inzwischen gibt es auch schon ganz natürliche Haarreiniger auf dem Markt. Wir kennen folgende:

Wer bei Shampoos bleiben will, kann sich gerne folgende Inhaltsstoffe merken um sie zu vermeiden:

Acetamide MEA, Sodium lauryl sulphate (SLS), Probylene glycol

Das heißt auch bei Körperpflege gilt: Labels studieren. Baby Shampoos sind oftmals noch am Sanftesten und enthalten die oben genannten Zusatzstoffe nicht. Eine weitere gute Faustregel ist: es sollte möglichst wenig schäumen – das gilt übrigens auch für Seifen und Zahnpasta.

Wer sich nach einer gehaltvollen Haarmaske sehnt, auch hier haben wir ein Hausrezept parat.

3 Monate No Poo – und jetzt?

Unser beider Fazit nach den 3 Monaten ohne Shampoo fiel ganz ähnlich aus: Es ist wie immer interessant zu sehen, was man alles NICHT braucht. Anja findet es beeindruckend, wie unabhängig man nun auch auf Reisen gehen kann ohne die Hälfte des Gepäcks mit Kosmetik etc. zu besetzen – da man weiß, dass die Haut und Haare auch die nächsten Tage ohne Cremes und Waschen gut aussehen werden.

Die Haare werden robuster und stärker wenn man sie mal von der Shampoo Abhängigkeit entwöhnt hat. Trotzdem genießen wir beide hin und wieder einfach das Gefühl, eines frisch gewaschenen Kopfes. Und wie bei der Ernährung gilt für uns auch für die Körperpflege: Verkrampfte Dogmen sind fehl am Platz. Wichtig ist wie immer: einfach mal ausprobieren und für sich selbst herausfinden was funktioniert. Ich fühle mich mit wenig Shampoo, also Low Poo, gerade sehr wohl.

Folgende Haarpflege Routine hat sich bei mir eingependelt:

  • 1 mal pro Woche wasche ich die Haare mit einem sanften (Baby) Shampoo von Weleda. Dabei benutze ich sehr wenig Shampoo.
  • zusätzlich 2 mal pro Woche spüle ich die Haare einfach mit Wasser aus (v.a nach dem Sport) ohne zusätzliche Produkte zu benutzen.
  • Etwa alle 2-3 Wochen massiere ich etwas Kokosöl in die Spitzen um sie vor dem Austrocknen und Spliss zu schützen
Wie sieht deine Haarpflege aus? Hast du schonmal versucht auf Shampoo zu verzichten? Berichte uns in den Kommentaren!
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Geschrieben von Michaela

Michaela ist die Naschkatze im Paleo360 Team und deswegen immer auf der Suche nach Paleo-konformen Süßigkeiten. Vielleicht hat sie auch deshalb die exzellente Fähigkeit entwickelt, exotische Salate mit diversen leckeren Früchten zu kombinieren. Auch sie ist ein großer Fan von Natur und dem Münchner Alpenvorland. Michaela schläft gerne lang, weswegen ihre Blogposts wohl öfter am Nachmittag veröffentlicht werden. Michaela auf Google+
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